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Samstag, 16. Mai 2020

Hegels Rechtsphilosophie


Hegel war ein bedeutender Philosoph des 18. Jahrhunderts. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus sowie als einer der großen Schöpfergestalten des deutschen Geistes.

In seiner Rechtsphilosophie entwickelt Hegel auf drei Ebenen, wie sich das Individuum den politischen Einrichtungen und rechtlichen Regeln gegenüber verhält. Auf der ersten Ebene steht der freie Mensch als „Rechts-Person“ – und empfindet die Gesetze als puren Zwang: Du sollst dies nicht, du darfst jenes nicht!

Auf der zweiten Ebene, als warenproduzierender „Wirtschafts-Bürger“, erkennt der Einzelne jedoch, dass die scheinbar nur freiheitsraubenden Gebote auch ihre guten Seiten haben und ihn etwa vor Diebstahl oder Vertragsbruch schützen. Aber erst auf der letzten Ebene, in der Rolle des „Staats-Bürgers“, begreift das Individuum, dass in einer vernünftigen Wirklichkeit sein eigener Wille mit dem allgemeinen Willen, also dem des Staates, identisch ist.

»Der Staat ist die Wirklichkeit der sittlichen Idee.«

Diese Sentenz hat Hegel den Vorwurf der Staatsvergötterung eingebracht. Mehr noch: Er habe damit, so linke Kritiker, den Weg für Hitler geebnet. Demgegenüber glaubten rechte Gegner, eine Linie von Hegel über Marx bis hin zu Stalin ziehen zu können! Absurder Höhepunkt des Auslegungsstreits über Hegels angeblich so katastrophale Folgen war die Interpretation des Zweiten Weltkriegs als eine Auseinandersetzung zwischen deutschen Rechts- und russischen Linkshegelianern!

Samstag, 25. April 2020

Hegel im Tübinger Stift

Hegel im Tübinger Stift



Das Tübinger Stift, 1536 als "feste Burg des Protestantismus" gegründet, ist weithin berühmt. Man nennt es den "Pflanzgarten Gottes", und darin wuchsen große Männer heran, zum Beispiel Johannes Kepler.

Das evanglische Tübinger Stift ist die höchste Schule, welche das Land Württemberg seinen Landeskindern angedeihen lassen kann. Hier studierrte in früheren Zeiten die zukünftige Elite des Landes. Um das Jahr 1788 trafen im Tübinger Stift angehende Geistesgößen aufeinander, als zu Hölderlin und Hegel der erst 15-jährige Schelling stieß.

Schelling kannte Hölderlin schon von der Lateinschule. Die Freunde versuchten, dem Abgschlossensein wenigstens geistig zu entfliehen. Hegel zeigte sich von Rousseaus »Contrat social« beeindruckt, Schelling beschäfigte sich eingehend mit Kant und Hölderlin entdeckte Leibniz.

Eigentlich bestimmt zu einer theologischen Laufbahn, kämpfte er verzweifelt dagegen an und versuchte sich als Schriftsteller und in verschiedenen Anstellungen als Hauslehrer eine unabhängige berufliche Existenz zu schaffen. Der elf Jahre ältere Schiller hat Hölderlin gefördert.



Die Jahre der eigentlichen, engen Gemeinsamkeit zwischen Hölderlin, Hegel und Schelling begannen im Herbst 1790 und endeten im Herbst 1793. Die Freundschaft zwischen Hölderlin und Hegel wurde bis um die Jahr-hundertwende weitergeführt, die Freundschaft zwischen Hölderlin und Schelling wich wohl bald einer distanzierten, sehr seriösen gegenseitigen Hochachtung.

Der junge Hegel profitierte viel von dem intellektuellen Austausch mit seinen später ebenfalls berühmt gewordenen Zimmergenossen Hölderlin und Schelling. Sie hegten große Sympathie für die revolutionären politischen Ereignisse in Frankreich. Jedoch fand später durch das Scheitern Napoleons eine politische Umorientierung bei Hegel statt. Er wurde ein Anhänger der konstitutionellen Monarchie Preußens und söhnte sich mit den politischen Gegebenheiten aus.

In Tübingen kämpften Hegel, Schelling und Hölderlin gegen die Orthodoxie und erneuerten das Weltbild.


Weblink:

Die Gefährten - ZEIT-Artikel



Samstag, 4. April 2020

»Hegel: Der Weltphilosoph« von Sebastian Ostritsch


Hegel: Der Weltphilosoph

Hegel: Der Weltphilosoph

Pünktlich zu Hegels 250.Geburtstag im August ist die Hegel-Biografie von Sebastian Ostritsch erschienen. Ostrich stilisiert Hegel in seiner Monographie zu einem Weltphilososphen.

In Zeiten, in denen sich die gesellschaftlichen Gräben weiter vertiefen und ein striktes Entweder-oder das Denken beherrscht, ist Hegels Philosophie des Sowohl-als-auch so aktuell wie nie zuvor. Leichtfüßig und souverän bringt uns Sebastian Ostritsch das Leben und die Ideen des letzten großen Systemdenkers der Philosophiegeschichte nahe.

„Alle Dinge“, schreibt Georg Wilhelm Friedrich Hegel, „sind an sich selbst widersprechend.“ Bis heute gilt dieser Satz unter Philosophen als Zumutung, wenn nicht als Skandal. Doch nicht die Verherrlichung des logischen Widerspruchs ist Hegels Ziel, sondern vielmehr dessen Überwindung in einem dynamischen Prozess.

Wer sich mit Hegel auf ein solches Denken einlässt, gerät in einen Rausch, den Sog der Vernunft, auch Dialektik genannt. Dialektik ist für Hegel ein Instrument der Gewinnung von Erkenntnissen. Die Wahrheit einer Sache zeigt sich erst im Zusammenhang mit ihrem Gegenteil. Oder wie der Schwabe Hegel sagen würde: „So isch no au wieder.“ („So ist es nun auch wieder.“)

Abseits ausgetretener, bloß biographischer Pfade und mit angenehmer philosophischer, hier eher untechnisch gemeinter Subsumtionstechnik macht uns Ostrisch "seinen" Hegel im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Und, dies ist das große Plus der Monographie, ohne dabei eine Einordnung in den Kanon der übrigen Zeitgenossen - wie auch der neueren Interpreten zu vergessen. Erfrischend ist auch der unprätentiöse "Sound" von Ostritsch; frei von den vielen Egoismen und Eitelkeiten anderer Autoren.

Literatur:


»Hegel: Der Weltphilosoph« von Sebastian Ostritsch

Samstag, 1. Februar 2020

»Der Philosoph der Freiheit« von Klaus Vieweg

»Der Philosoph der Freiheit«

Pünktlich zu Beginn es Hegel-Jahres und anläßlich Hegels 250. Geburtstages im August ist die Hegel-Biografie von Klaus Vieweg erschienen.

Jedes Jahr am 14. Juli soll Georg Wilhelm Friedrich Hegel ein Glas Champagner auf den Beginn der Französischen Revolution getrunken haben. Diese Revolution war das sein Leben und Denken prägende Ereignis. Das Grundmotiv der Freiheit durchzieht den gesamten Denk- und Lebensweg des bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts. Zu Hegels 250. Geburtstag erscheint die erste umfassende deutschsprachige Biographie dieses Meisterdenkers seit 175 Jahren.

Nach Kindheit und Jugend in Stuttgart und Studium im benachbarten Tübingen ging der junge Philosoph zunächst als Hofmeister nach Bern und nach Frankfurt am Main. Die akademische Laufbahn begann mit einer Privatdozentur in Jena, wo Hegel eng mit dem einstigen Tübinger Komilitonen Schelling zusammenarbeitete. Erst nach zwei kurzen Stationen in Franken ereilte ihn der Ruf nach Heidelberg. 1818 schließlich wurde Hegel Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Johann Gottlieb Fichte im königlich-preußischen "Mittelpunkt" Berlin, wo er zum herausragenden Philosophen des Zeitalters aufstieg.

Hegels so ausgreifender wie beweglicher Geist war Widerspruchsgeist. Denn Philosophie war für ihn gelebtes Krisenbewusstsein, Denken eines in Widersprüchen, eine ständig bewegte, in Bewegung gehaltene Reflexion. Hegel betonte ebenso ausdrücklich, daß sich das Denken, etwa nur über das Hier und das Jetzt, oder aber das Sein oder das Werden, die Freiheit und die unveräußerlichen Freiheitsrechte, über Recht, Moral oder Sittlichkeit, Religion oder Ästhetik nicht popularisieren, geschweige denn „plattmachen“ ließe.


Gemäß Hegel ist Philosophie die Zeit in Gedanken gefasst. - Der in Jena lehrende Philosoph Klaus Vieweg zeichnet in dieser Leben und Werk Hegels gleichermaßen würdigenden großen Biographie ein neues Bild des bedeutendsten Vertreters des deutschen Idealismus.

Der Autor ist ein ausgewiesener und enthusiastischer Hegelianer. Er sagt es deutlich. Wenn er nun einen Text des Philosophen darstellt, so benutzt er die Hegelianische Terminologie. Er tritt nicht einen oder zwei Schritte zurück um die Gedanken und vor allem die Begrifflichkeit "von außen" darzustellen und sie in die nicht hegelianische Sprache zu übersetzen.

Hegel ist sicher philosophiegeschichtlich von Bedeutung, aber die »Phänomenologie des Geistes« gleich als Jahrtausendwerk zu bezeichnen, zeugt von sehr begrenzten philosophiegeschichtlichen Kenntnissen. Hegel lockt heute keinen (philosophischen) Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

Literatur:


Hegel: Der Philosoph der Freiheit
von Klaus Vieweg

Sonntag, 14. Juli 2019

Hegels Prosit auf die Französische Revolution


Jedes Jahr am 14. Juli soll Georg Wilhelm Friedrich Hegel ein Glas Champagner auf den Beginn der Französischen Revolution getrunken haben. Diese Revolution war das sein Leben und Denken prägende Ereignis. Das Grundmotiv der Freiheit durchzieht den gesamten Denk- und Lebensweg des bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts.

War hier nicht eine neue Zeit und ein neuer Geist angebrochen? Hatte die Französische Revolution nicht erstmals gezeigt, dass ein Fortschritt in der Geschichte möglich ist? Hatte sie nicht überhaupt bewiesen, dass es so etwas wie eine sinnvolle Ausrichtung der Geschichte auf ein für Alle
erreichbares Ziel von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gab?

Hegel und die Französische Revolution


Hegels politisches Schlüsselerlebnis ist die Französische Revolution. Einerseits feiert er sie alljährlich im Stillen mit einer Flasche Rotwein – andererseits ist ihm deren zweite Phase, der Schrecken der Jakobiner-Herrschaft, gründlich in die Glieder gefahren. Deshalb beschließt er, die Weltgeschichte erst im Preußischen Staat zur Vollendung kommen zu lassen: Also dort, wo seit 1806 und den vernichtenden Niederlagen gegen Napoleon „Ruhe die erste Bürgerpflicht“ ist – wo also nicht Revolution, sondern Reflexion auf der Tagesordnung steht.

War hier nicht eine neue Zeit und ein neuer Geist angebrochen? Hatte die Französische Revolution nicht erstmals gezeigt, dass ein Fortschritt in der Geschichte möglich ist? Hatte sie nicht überhaupt bewiesen, dass es so etwas wie eine sinnvolle Ausrichtung der Geschichte auf ein für Alle
erreichbares Ziel von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gab?



Sonntag, 18. Juni 2017

»Zweite Natur« - Internationaler Hegel-Kongress in Stuttgart



Alle sechs Jahre lädt die Internationale Hegel-Vereinigung Gelehrte aus aller Welt nach Stuttgart, in die Geburtsstadt des Philosophen Hegel, zu einem mehrtägigen Kongress ein, der als einer der wichtigsten Zusammenkünfte der internationalen Philosophenzunft gilt.

Das Schwerpunktthema des Jahrgangs 2017, mit dem sich im Stuttgarter Rathaus von Mittwoch bis Samstag über vierhundert Teilnehmer aus Philosophie, aber auch Nachbardisziplinen wie Soziologie und Psychoanalyse in Vorträgen und Arbeitsgruppen befassten, lautete »Zweite Natur«.