Menue

Samstag, 22. Juni 2024

Das Geschichtsbild Hegels

Georg Wilhelm Friedrich Hegel


Jedem Philosophen haftet explizit auch ein eigenes Geschichtsbild an. Anders als Immanuel Kant, der große Erkenntnistheoretiker, war Hegel in erster Linie Geschichtsphilosoph. Die Geschichte war für den Denker zwar vernünftig, aber sie war, wie es eben dem Verliebten vorkommt, von einer hinreißender und mitteilenden Vernunft. Sie galt ihm als der "bacciantisiche Taumel, an dem kein Glied mehr trunken ist".

Hegel sah die Weltgeschichte als Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit. "Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit."

»Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.«

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831)

Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 1837

Dass das Bewusstsein der Freiheit noch nicht deren Realisierung in der gesellschaftlich-politischen Wirklichkeit bedeutet, wusste Hegel selbst sehr gut.

Hegels Geschichtsphilosophie vertritt die These vom "Ende der Geschichte", in der die Geschichte welthistorisch zur Vernunft gekommen sei.


Hegel glaubte, dass mit seiner Philosophie eine Art geschichtlicher Endzustand heraufgezogen sei – das "Ende der Geschichte", wie es einige Denker nach Ende des Kalten Krieges im 20. Jahrhundert noch einmal ausriefen, wiederum zu Unrecht.

Geschichte mit Hegel als Freiheitsgeschichte zu denken, bedeutet also, die jeweilige politisch-gesellschaftliche Wirklichkeit kritisch vom egriff der Freiheit und den Realisierungsmöglichkeiten der Freiheit her zu denken.

Marx hielt dagegen, dass im preußischen Staat seiner Zeit das Ziel der Weltgeschichte noch nicht erreicht sei. Darin jedenfalls hat er recht behalten.

Weblinks:

Warum heute noch Hegel? - warumheutenochhegel.blogspot.de

Hegel-Biografie - Biografie-Portal

Hegel und das Absolute (K)

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Nach Hegel müssen wir uns dem »Absoluten« einfach stellen, in den Strom des Bewusstseins eintauchen, in die verschiedenen Formen des Wissens – und sehen, wie weit wir dabei kommen. Erkenntnis ist eben kein Instrument, wie ein Spiegel, mit dem wir die Welt lediglich erfassen, sondern eine Tätigkeit, und die führt über Fehler und Missverständnisse – oder, wie Hegel sagt, über den »Weg der Verzweiflung«. Denn das »Absolute«, also die Realität, ist in ständigem Wandel, die Welt steckt voller Widersprüche.

Wahrheit bedeutet nicht einfach Übereinstimmung mit den Tatsachen. Unsere Begriffe gehören vielmehr selbst zur Welt. An das Absolute kommen wir heran, indem wir es begrifflich erfassen – und zugleich erkennen, dass es unsere Begriffe selbst sind, die die Welt bestimmen.

Nach Hegel kommt es also darauf an, »das Wahre nicht als Substanz, sondern ebenso sehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken«. Das ist sein zentraler, schwieriger Gedanke: Die Realität ist nicht einfach eine objektive Tatsache. Das Absolute und der Geist, also das Subjekt, sind ein und dasselbe. Doch diese Identität kann der Geist nicht schnell mal so erkennen. Um zu seiner Einheit zurückzukehren, muss er ein »Drama von Gegensatz und Versöhnung« durchlaufen, wie der kanadische Philosoph und Hegel-Interpret Charles Taylor schreibt.

Das Absolute ist wesentlich »Resultat«: Erst am Ende dieses Prozesses ist es das, was es in Wahrheit ist – nämlich Geist. In den Worten Hegels: »Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.«

Aber ist die Welt nicht ganz anders beschaffen als der Geist? Und warum ist sie überhaupt so, wie sie ist? Hegels zentraler Gedankengang ist nun: Die Welt kann nur so sein, wie sie ist, weil sie ein Produkt des Geistes ist. Ihre Struktur folgt aus ihrer vernünftigen Notwendigkeit.

Diese Notwendigkeit ist allerdings weder eine rein kausale noch eine logische Notwendigkeit, die auf Wortbedeutungen basiert – wie etwa jene, dass Junggesellen unverheiratet sind. Gemeint ist vielmehr eine „teleologische« Notwendigkeit – eine Notwendigkeit, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Auch im Leben denken wir oft, dass wir bestimmte Erfahrungen machen »mussten«, um uns weiterzuentwickeln. Das bedeutet nicht, dass wir diese Erfahrungen notwendiger weise machen mussten. Es hätte ja auch anders kommen können. Aber hätten wir diese Erfahrungen nicht gemacht, hätten wir uns anders entwickelt. Insofern war es »notwendig«, dass wir sie gemacht haben.

Weblink:

Rittmeister des Geistes -

Samstag, 15. Juni 2024

Hegels Leben (E)


Nach dem Studium ging der junge Philosoph zunächst als Hofmeister nach Bern und nach Frankfurt am Main. Die akademische Laufbahn begann mit einer Privatdozentur in Jena, wo Hegel eng mit dem einstigen Tübinger Kommilitonen Schelling zusammenarbeitete. Erst nach zwei Stationen in Franken ereilte ihn der Ruf nach Heidelberg. 1818 schließlich wurde Hegel Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Johann Gottlieb Fichte im königlich-preußischen "Mittelpunkt" Berlin, wo er zum herausragenden Philosophen des Zeitalters aufstieg.

Hegel war als Hauslehrer in Bern todunglücklich und wurde depressiv. Als Magister in Frankfurt war es ihm leidlich wohl, materiell und ideell, an der Seite seines Freundes Hölderlin. Hegel pflegte seine Freundschaften aus Studientagen, mit Hölderlin und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, dem Wunderknaben, hauste er in Tübingen in einer Studentenbude – eine beispiellose Versammlung, sogar gemessen an dieser Ära der Dichter und Denker. Die Freundschaft zu Hölderlin, die noch in der Umnachtung des Dichters aufflackerte, geriet dem Denker aus dem Blick.

Humboldt-Universität

Hegel wurde Professor für Logik und Metaphysik an der noch jungen Universität in Berlin. Nachdem Hegel seine Stelle an der Universität angetreten hatte, hing an seiner Tür gelegentlich ein Zettel: "Die Vorlesung muss heute ausfallen, da der Herr Professor mit dem Nachdenken nicht fertig geworden ist."

In Berlin, in dem die Universitätsgründung erst zehn Jahre zurück lag, kam er von 1818 an zunächst nur stockend voran, was auch an seinem Vortragsstil lag, der so umständlich war, daß ihm Goethe Jahre zuvor auf einen Rat Schillers hin einen Rhetoriklehrer empfahl. Der Erfolg stellte sich langsam ein, seine Popularität wuchs, unüberhörbar am „Hegel-Slang“.

Literatur:


»Hegel: Der Weltphilosoph« von Sebastian Ostritsch



Hegel: Der Philosoph der Freiheit
von Klaus Vieweg



Hegels absoluter Geist

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel war ein Philosoph des Geistes und der bedeutendste Vertreter des deutschen Idealismus. Viele halten den deutschen Idealismus und allen voran Hegel für den Gipfelpunkt der Philosophie. Die Bewunderung für Hegel entstammt nicht nur der aus heutiger Sicht geradezu abenteuerlich erscheinenden Vorstellung, wahre Philosophie müsse einem Systemanspruch gerecht werden, also einen umfassenden Welterklärungscharakter besitzen, sondern auch der Überzeugung, Philosophie solle in einem christlichen Sinne religiös sein.





Hegel vertritt eine idealistische Lehre vom in dialektischen Entwicklungschritten zu sich selbst kommenden absoluten Geist. Hegels Lehre wurde von Schopenhauer aufs hetigste angegriffen. 1820 begann Schopenhauer an der noch jungen Berliner Universität zu lehren, wo der Philosoph Hegel bereits eine etablierte Größe war. Dabei kam es zu dem berühmten Streit mit den berühmten Philosophen Hegel.

Nach Hegel müssen wir uns dem »Absoluten« einfach stellen, in den Strom des Bewusstseins eintauchen, in die verschiedenen Formen des Wissens – und sehen, wie weit wir dabei kommen. Erkenntnis ist eben kein Instrument, wie ein Spiegel, mit dem wir die Welt lediglich erfassen, sondern eine Tätigkeit, und die führt über Fehler und Missverständnisse – oder, wie Hegel sagt, über den »Weg der Verzweiflung«. Denn das »Absolute«, also die Realität, ist in ständigem Wandel, die Welt steckt voller Widersprüche.

Wahrheit bedeutet nicht einfach Übereinstimmung mit den Tatsachen. Unsere Begriffe gehören vielmehr selbst zur Welt. An das Absolute kommen wir heran, indem wir es begrifflich erfassen – und zugleich erkennen, dass es unsere Begriffe selbst sind, die die Welt bestimmen.

Nach Hegel kommt es also darauf an, »das Wahre nicht als Substanz, sondern ebenso sehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken«. Das ist sein zentraler, schwieriger Gedanke: Die Realität ist nicht einfach eine objektive Tatsache. Das Absolute und der Geist, also das Subjekt, sind ein und dasselbe. Doch diese Identität kann der Geist nicht schnell mal so erkennen. Um zu seiner Einheit zurückzukehren, muss er ein »Drama von Gegensatz und Versöhnung« durchlaufen, wie der kanadische Philosoph und Hegel-Interpret Charles Taylor schreibt.

Das Absolute ist wesentlich »Resultat«: Erst am Ende dieses Prozesses ist es das, was es in Wahrheit ist – nämlich Geist. In den Worten Hegels: »Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.«

Aber ist die Welt nicht ganz anders beschaffen als der Geist? Und warum ist sie überhaupt so, wie sie ist? Hegels zentraler Gedankengang ist nun: Die Welt kann nur so sein, wie sie ist, weil sie ein Produkt des Geistes ist. Ihre Struktur folgt aus ihrer vernünftigen Notwendigkeit.

Diese Notwendigkeit ist allerdings weder eine rein kausale noch eine logische Notwendigkeit, die auf Wortbedeutungen basiert – wie etwa jene, dass Junggesellen unverheiratet sind. Gemeint ist vielmehr eine „teleologische« Notwendigkeit – eine Notwendigkeit, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Auch im Leben denken wir oft, dass wir bestimmte Erfahrungen machen »mussten«, um uns weiterzuentwickeln. Das bedeutet nicht, dass wir diese Erfahrungen notwendiger weise machen mussten. Es hätte ja auch anders kommen können. Aber hätten wir diese Erfahrungen nicht gemacht, hätten wir uns anders entwickelt. Insofern war es »notwendig«, dass wir sie gemacht haben.

Weblink:

Rittmeister des Geistes - www.hoheluft-magazin.de

Samstag, 16. März 2024

Das hegelsche System (K)

Hegel war ein Philosoph des Geistes und der bedeutendste Vertreter des deutschen Idealismus. Viele halten den deutschen Idealismus und allen voran Hegel für den Gipfelpunkt der Philosophie. Die Bewunderung für Hegel entstammt nicht nur der aus heutiger Sicht geradezu abenteuerlich erscheinenden Vorstellung, wahre Philosophie müsse einem Systemanspruch gerecht werden, also einen umfassenden Welterklärungscharakter besitzen, sondern auch der Überzeugung, Philosophie solle in einem christlichen Sinne religiös sein.


Grundlegung der Philosophie

In der Phänomenologie des Geistes, dem ersten typischen Werk des reifen Hegel, formuliert Hegel als Voraussetzung für alles wahrhafte Philosophieren den „wissenschaftlichen Standpunkt“ zu gewinnen. Er bezeichnet diesen auch als das „absolute Wissen“. Um diesen zu erreichen, muss ein Weg gegangen werden, der für den dann gewonnenen Standpunkt nicht gleichgültig ist: nicht „das Resultat [ist] das wirkliche Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden“ (PG 13).

Der Weg zum „absoluten Wissen“ ist dabei für Hegel das Begreifen des Absoluten selbst. Auch für das Absolute ist die Zugangsweise zu ihm nicht gleichgültig. Es umschließt auch den Prozess seiner Erkenntnis. Der Zugang zum Absoluten ist zugleich dessen Selbstäußerung. Wahre Wissenschaft ist letztlich nur in dieser Perspektive des Absoluten möglich.

Der Weg zum wissenschaftlichen Standpunkt


Stufen des Wissens

Sinnliche Gewissheit →
Wahrnehmung →
Selbstbewusstsein →
Vernunft →
Geist →
absolutes Wissen

Hegel beginnt mit einer Analyse des „natürlichen Bewusstseins“. Die eigentliche Wirklichkeit (die „Substanz“) ist für das natürliche Bewusstsein in seiner elementarsten Stufe das, was es unmittelbar vorfindet: die „sinnliche Gewissheit“. Dies entspricht philosophisch der Position des Empirismus. Hegel zeigt auf, dass der empirische Wirklichkeitsbegriff notwendig ein Selbstbewusstsein voraussetzt, das das sinnlich Wahrgenommene als solches interpretiert.

Aber auch das Selbstbewusstsein ist nicht das eigentlich Wirkliche. Es kann sein eigenes Bei-sich-sein nur im Unterschied zu einer natürlichen Wirklichkeit bestimmen; seine Substantialität ist daher notwendig von dieser natürlichen Wirklichkeit abhängig.

In der dritten Form des natürlichen Bewusstseins, der Vernunft, kommt die Bestimmung der Substanz des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins zu einer Synthese. Das zur Vernunft entwickelte Selbstbewusstsein beharrt auf seiner eigenen Substantialität, erkennt aber zugleich, dass es sich zu einer natürlichen Wirklichkeit verhält, die ebenfalls substantiell ist. Dies lässt sich nur miteinander versöhnen, wenn das Selbstbewusstsein seine Substantialität in der Substantialität der natürlichen Wirklichkeit wiedererkennt. Nur dann lässt sich der Widerspruch, den zwei Substanzen mit sich bringen, vermeiden.

Hegel bestimmt im weiteren Verlauf der Phänomenologie die Vernunft als „sittliche Vernunft“. Als solche ist sie nicht nur Produkt des Selbstbewusstseins, sondern bezieht sich immer schon auf eine äußere Wirklichkeit, die ihr vorausgeht. Die Vernunft kann nur als die sittliche Substanz einer wirklichen Gesellschaft existieren; in dieser Form ist sie (objektiver) Geist.

Der Geist ist seinerseits wiederum vom Selbstbewusstsein abhängig. Dieses hat die Freiheit, sich dem herrschenden Gesetz nicht zu fügen, was sich historisch z. B. in der Französischen Revolution zeigt. Seine Freiheit gründet letztlich auf dem absoluten Geist.

Der absolute Geist zeigt sich zunächst in der Religion. In der „Naturreligion“ deutet das Selbstbewusstsein noch die natürliche Wirklichkeit als Selbstausdruck eines absoluten Wesens, während in der „offenbaren Religion“ die menschliche Freiheit die zentrale Rolle spielt. Der Begriff des absoluten Geistes lässt sich als der Begriff der Wirklichkeit selbst verstehen, sodass die Religion in das absolute Wissen übergeht. Damit ist der Standpunkt gewonnen, von dem aus erst Wissenschaft im eigentlichen Sinn betrieben werden kann. Der ganze Inhalt der Erfahrung des Bewusstseins ist neu zu entfalten, aber nicht mehr aus der Perspektive des sich zu sich selbst und seinem Gegenstand erst durchringenden Bewusstseins, sondern systematisch, d. h. aus der Perspektive des „Begriffs“.

Weblink:

https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/508170#Das_hegelsche_System

Samstag, 18. November 2023

»Jena 1800: Die Republik der freien Geister« von Peter Neumann

Jena 1800



Peter Neumann, geboren 1987, lebt als freier Schriftsteller in Weimar und lehrt Philosophie mit Schwerpunkt Deutscher Idealismus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Der Autor entwirft ein äußerst lebendiges Bild von Jena - von jenem Jena, welches in Aufbruchstimmung ist.

Jena ist um 1800 eine kleine Studentenstadt in Thüringen mit der höchsten Geniedichte in Deutschland. Im November 1799 ist Jena so etwas wie der geistig-kulturelle Mittelpunkt Deutschlands. Es ist die Zeit der Frühromantik.

Die ersten "freien Geister" sind längst da. Johann Gottlieb Fiche kam schon 1794. Der Autor bezeichnet Fichte als Kants Messias in Jena, er ist ein glühender Anhänger der neuen, kritischen Philoosophie. Noch vor Fichte war Schiller bereits in Jena. Schelling ist aus Richtung Dresden im Anmarsch.

Mit den Ideen der Französischen Revolution geraten nicht nur die politischen Verhältnisse in Europa ins Wanken. Eine ganze Generation von jungen Dichtern und Philosophen beschließt, die Welt neu zu denken. Die führenden Köpfe – darunter die Brüder Schlegel mit ihren Frauen, der Philosoph Schelling und der Dichter Novalis – treffen sich in der thüringischen Universitätsstadt an der Saale, um eine „Republik der freien Geister“ zu errichten.

Sie stellen nicht nur gesellschaftliche Traditionen in Frage, sie revolutionieren mit ihrem Blick auf das Individuum und die Natur zugleich auch unser Verständnis von Freiheit und Wirklichkeit – bis heute. Farbig und leidenschaftlich erzählt Peter Neumann von dieser ungewöhnlichen Denkerkommune, die nicht weniger vorbereitete als den geistigen Aufbruch in die Moderne.


Jena 1800



Literatur:

Jena 1800
Jena 1800: Die Republik der freien Geister
von Peter Neumann

Weblink:

Frühromantik

Samstag, 19. November 2022

Texte von Hegels Vorlesungen gefunden


Über 4.000 Seiten bisher unbekannter Notizen aus den frühen Vorlesungen des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel an der Universität Heidelberg wurden gefunden, berichtet »The Guardian«.

Der Fund wurde von Klaus Vieweg, einem deutschen Philosophieprofessor und im Prozess der Erstellung einer Hegel-Biographie, im Archiv der Erzdiözese in München gemacht. Es ist, als würde man eine neue Partitur von Beethoven oder ein bisher unbekanntes Gemälde von (Maler John) Constable finden, sagt Vieweg gegenüber »The Guardian«.

Es wird angenommen, dass die Notizen von Friedrich Wilhelm Carové, einem der ersten von Hegel an der Universität Heidelberg unterrichteten Studenten, in den Jahren 1816–18 angefertigt wurden.

Hegel wurde vor 206 Jahren 1816 als ordentlicher Professor der Philosophie an die Universität Heidleberg berufen.

Hegel (1770–1831) hatte einen tiefen und weitreichenden Einfluss auf die westliche Philosophie. Nicht nur im Bereich Ästhetik, Kunst und Schönheit – sondern vor allem als Geschichts- und Gesellschaftsphilosoph. Sein Einfluss lässt sich in fast allen politischen Ideologien nachweisen, und unter den „Junghegelianern“ seiner Zeit ist unter anderem Karl Marx zu sehen. Er ist auch notorisch schwer zu lesen. Der britische Philosoph Bertrand Russell nannte Hegel „den am schwierigsten zu verstehenden der großen Philosophen“.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel